Wachwerden -

 

 

Ein Beruf - das ist das Schreiben für mich. Schreiben hat etwas damit zu tun, warum ich auf der Welt bin. Eine Arbeit verbindet einen Menschen mit der Welt*. Für mich ist das Schreiben diese Arbeit.

Das literarische, das poetische Schreiben.

 

Das Schreiben in Bildern.

 

Ich habe schon als Kind gedacht: Man muß nur genug Bilder um sich herum wahrnehmen, dann kann man Vieles überhaupt erst sagen, das man ohne diese Bilder nicht aussprechen könnte.

Und: Indem man die Bilder sieht, die im Alltag versteckt sind, dachte ich, versteht man mehr und mehr. Weil man dann für alles, was man denken kann, und für alles, was passiert, Bilder bekommt - eigentlich bekommt man nur so für das Denkbare eine Sprache.

 

2002 dann wiederholte ein Mensch, der selbst Schriftsteller war und Musiker, immer wieder während unserer Gespräche, ich solle doch anfangen, zu schreiben. "Schreiben Sie schon?" fragte er immer wieder.

Ich antwortete: "Nein. Natürlich nicht. Ich kann doch nicht schreiben!"

 

Irgendwann aber wurde mein alter Traum wach: Als Kind und Jugendliche hatte ich tausende von Briefen geschrieben, lange Briefe.

Ich bekam oft etwa als Antwort: "Darüber mache ich mir - als Erwachsener - keine Gedanken - und du schreibst einen ganzen Brief dazu."

 

Dazu kam natürlich die eine oder andere Geschichte, die ich schrieb usw.

 

Erfahrung mit dem Schreiben hatte ich also schon. Mit dem Komponieren von Briefen vor allem.

Mit dem Durchdenken und "Durchschreiben" von Erlebnissen, Dingen, Erfahrenem.

 

Und nun der Traum, von dem ich vorhin sprach. Der, der wach wurde.

 

Ich wußte nichts von ihm, bis er wach wurde. - Ich wußte nichts von ihm, bis ich 2002 tatsächlich anfing, als Schriftstellerin zu arbeiten. (Das heißt nicht, daß ich mich selbst schon als Schriftstellerin sah - ich arbeitete nur als eine.)

 

Als ich den Entschluß umsetzte, der nur durch massive Nachfrage des Musikers und Schriftstellers überhaupt reifte, und als ich nun tatsächlich schrieb und an Texten arbeitete,

spürte ich: Das ist die Antwort auf meine Kinder-Frage von damals: Was wird wohl aus mir?

Ich war als Kind gespannt auf die Antwort -

 

Als ich dann schreib, war die Antwort da. Ich war "angekommen".

 

In meiner Arbeit war etwas wach geworden, das in mir ruhte, es war wach geworden nur, indem ich mich dem Schreiben als meiner Arbeit stellte.

 

 

 

 

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*Arbeit ist eine wichtige Form, sich verbunden mit der Welt zu fühlen. In unserer Gesellschaft

bzw. Kultur wohl genauso wie in anderen Gesellschaften/Kulturen.

Selbst die eigene geschichtliche Einordnung kann über den Beruf bzw. über die Arbeit

leichter sein.

Einiges Anderes kommt noch hinzu, aber deutlich scheint mir eins:

Arbeit ist mehr, als nur Einkommen-ranschaffen.